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Mafra, Portugal: Ein unabhängiger Reiseführer für 2026

Ein Palast mit 1.200 Zimmern. Eine 90 Meter lange Bibliothek, die von einer dort ansässigen Fledermauskolonie geschützt wird. Sechs Pfeifenorgeln, die dafür konzipiert wurden, von sechs Organisten gleichzeitig gespielt zu werden. Der Palácio Nacional de Mafra ist die Art von Gebäude, bei der jede Statistik wie eine Übertreibung klingt, und doch entspricht jede einzelne davon der Wahrheit. Dies ist kein Palast im herkömmlichen Sinne, sondern eine Kombination aus Palast, Kloster und Basilika in einem Ausmaß, das man mit eigenen Augen gesehen haben muss, um es zu begreifen.

Was als Gelübde von König João V. begann, ein bescheidenes Kloster für 13 Mönche zu errichten, entwickelte sich dank der gewaltigen Goldzuflüsse aus Brasilien im 18. Jahrhundert zu einem der extravagantesten Bauprojekte der europäischen Geschichte. Die Anlage wurde so riesig, dass ihr Bau den Staat beinahe in den Bankrott trieb und bis zu 25.000 Arbeiter erforderte. Das Ergebnis ist ein Bauwerk, das einen noch heute in Staunen versetzt und das ich zu den beeindruckendsten königlichen Palästen in ganz Portugal zähle.

Mafra Portugal

Ein Rundgang führt Sie durch einen Bruchteil dieser 1.200 prunkvollen Räume, von den königlichen Gemächern bis hin zur prächtigen Basilika. Das Highlight war für mich jedoch schon immer die Rokoko-Bibliothek. Eine 90 Meter lange Halle zu betreten, die von 36.000 alten Büchern gesäumt ist, wohl wissend, dass die kleine Fledermauskolonie, die über Ihrem Kopf umherflattert, der Grund für das Überleben dieser Bücher ist, gehört zu den unvergesslichsten Erlebnissen, die Sie an einem portugiesischen Baudenkmal erleben können.

Ergänzend möchte ich anmerken, dass sich Mafra besonders gut als Teil eines größeren Tagesausflugs von Lissabon aus anbietet und weniger als eigenständiges Reiseziel. Die Stadt selbst ist klein und beschaulich; sobald Sie den Palast besichtigt haben, gibt es nicht viel mehr, das Sie dort halten könnte. Die Route von Lissabon nach Mafra führt weiter nach Ericeira, einem malerischen ehemaligen Fischerort mit einer lebendigen Surfszene, und beide Orte lassen sich wunderbar zu einem einzigen Tag kombinieren.

Seit 2001 entdecke ich Portugal für mich. Zusammen mit meiner portugiesischen Frau bin ich über die Jahre oft nach Mafra zurückgekehrt, wobei wir den Besuch häufig mit einem Nachmittag in Ericeira verbunden haben. Dieser Reiseführer vermittelt Ihnen unsere Erfahrungen, damit Sie wissen, was Sie im Palast erwartet, wie Sie dorthin gelangen und wie Sie den Tag so gestalten können, dass er perfekt zu Ihnen passt.

 

 

Was sind die Highlights von Mafra?

Der Palácio Nacional de Mafra ist zwar die einzige Attraktion des Ortes, aber dafür eine umso beeindruckendere. Zu den Highlights im Inneren des Palastes gehören:
Die 90 Meter lange Rokoko-Bibliothek, die als eine der schönsten der Welt gilt und 36.000 antike Bücher beherbergt, die von einer dort lebenden Fledermauskolonie vor Schädlingen geschützt werden.

Palacio de Mafra library

Die Basilika mit ihrer prachtvollen Barock-Innenausstattung und den Zwillingsglockentürmen, in denen insgesamt 92 Glocken hängen.

Basílica de Mafra

Das Spielzimmer mit einer aufwendigen Sammlung damaliger Unterhaltung, darunter ein Vorläufer des heutigen Flipperautomaten.

Palacio de Mafra games room

Der Palácio de Mafra

Der Palast ist die Hauptattraktion (und im Grunde die einzige) in Mafra; das gigantische Gebäude stellt den Rest der Stadt völlig in den Schatten. Die Vorderfassade erstreckt sich über mehr als 250 Meter, während die beiden Glockentürme mit ihren 92 Glocken 68 Meter hoch über die Stadt ragen.

Der zwischen 1717 und 1755 errichtete Palast diente zeitgleich als Konvent und als königliche Residenz. Im Inneren verbergen sich über 1.200 Zimmer, die durch mehr als 150 Treppenaufgänge miteinander verbunden sind – auch wenn heute nur ein kleiner Teil für die Öffentlichkeit zugänglich ist. Doch selbst dieser „kleine Teil“ erfordert einen Fußmarsch von über 1,5 km durch die Prunkräume, was die schiere Dimension des Bauwerks erst richtig spürbar macht.

Zu den für Besucher geöffneten Bereichen zählen die Krankenstation des Konvents, die königlichen Gemächer sowie die Bibliothek. Alle Räume wurden sorgfältig restauriert und beherbergen Originalmöbel, Kunstwerke und historische Objekte, die einen authentischen Einblick in das höfische Leben Portugals im 18. Jahrhundert gewähren.

Palacio de Mafra hunting room

Das Jagdzimmer im Palast von Mafra

Ein Tagesausflug nach Mafra

Ein Rundgang durch den Palast dauert in der Regel zwischen 90 Minuten und zwei Stunden, je nachdem, wie viel Zeit man sich in der Bibliothek lässt. Im Anschluss bieten sich die Cafés und Restaurants direkt gegenüber dem Palasteingang ideal für eine Kaffeepause oder ein Mittagessen an, bevor Sie Ihr Tagesprogramm fortsetzen.

Von Mafra aus lohnt es sich sehr, den Nachmittag im nahegelegenen Ericeira zu verbringen. Dieser Küstenort ist weltberühmt für seine Surfszene, besticht aber auch durch einen charmanten Hafen und ein traditionelles Altstadtviertel, das zum Erkunden einlädt. Da Mafra an der Busstrecke zwischen Lissabon und Ericeira liegt, ist die Kombination beider Orte absolut sinnvoll: Besichtigen Sie vormittags den Palast und fahren Sie anschließend mit dem Bus weiter an die Küste.

Wer mit dem Auto unterwegs ist, kann zudem einen Abstecher zur Tapada Nacional de Mafra einplanen – das ehemalige königliche Jagdrevier direkt hinter dem Palast dient heute als weitläufiges Naturschutzgebiet.

Haben Sie schon über eine organisierte Tour nachgedacht?
Eine geführte Tour ist eine bequeme Option für den Besuch von Mafra, besonders wenn Sie sich die Planung mit öffentlichen Verkehrsmitteln ersparen möchten. Organisierte Ausflüge in Portugal sind meist sehr hochwertig und werden von fachkundigen Guides geleitet; oft lässt sich Mafra dabei mit weiteren interessanten Zielen in der Umgebung verbinden. Hier eine Auswahl an Touren, die Mafra im Programm haben:
Mafra-Palast und Küstendörfer – Kleingruppentour
Queluz, Mafra, Azenhas do Mar: Privattour
Mafra und Ericeira: Privattour

Touristeninformation zum Mafra-Palast

Der Eintrittspreis für den Palácio de Mafra beträgt 15,00 € für Erwachsene; Kinder unter 12 Jahren haben freien Eintritt. Der Palast ist von Mittwoch bis Montag zwischen 09:30 und 17:30 Uhr geöffnet (letzter Einlass um 16:30 Uhr).

Bitte beachten Sie, dass der Palast dienstags geschlossen bleibt. Das ist eine Besonderheit in Portugal, da die meisten staatlich geführten Sehenswürdigkeiten montags schließen, was Mafra zu einem idealen Ziel für den Wochenbeginn macht.

Ein gewöhnlicher Rundgang dauert etwa 90 Minuten und ist mit beträchtlichen Laufwegen verbunden. Die Beschreibungen in den einzelnen Räumen sind auf Portugiesisch und Englisch verfasst; zudem kann am Eingang für 1,00 € ein detailliertes Faltblatt erworben werden.

Warum wurde in Mafra ein so gewaltiger Palast errichtet?

Der Palácio de Mafra wurde von König João V. (1689–1750) als religiöses Dankesopfer für die Geburt eines gesunden Erben in Auftrag gegeben.

Nachdem die Ehe mit Königin Maria Ana drei Jahre lang kinderlos geblieben war, gelobte der König, an der Stelle eines alten Konvents in Mafra ein großes Kloster zu errichten, sollte ihm ein Thronfolger geschenkt werden. Seine Gebete wurden mit der Geburt von Maria Barbara (der späteren Königin von Spanien) erhört, woraufhin das Paar noch sechs weitere Kinder bekam.

Finanziert wurde der Palast durch den unermesslichen Reichtum aus den portugiesischen Kolonien des 18. Jahrhunderts, allen voran durch das Gold aus Brasilien. Trotz dieser Reichtümer trieb das gigantische Ausmaß des Projekts den Staat an den Rand des Bankrotts.

Das Schlafzimmer von König João V. im Palast

Das Schlafzimmer von König João V. im Palast

Interessante Fakten über den Palácio de Mafra

Eine Baustelle von der Größe einer Stadt - Der Bau des Palastes war eine logistische Meisterleistung monumentalen Ausmaßes. Während eines Großteils der 40-jährigen Bauzeit lebten durchschnittlich 15.000 Arbeiter direkt auf der Baustelle; in Spitzenzeiten stieg diese Zahl sogar auf 25.000 an. Um bei dieser gewaltigen Menschenmenge die Ordnung aufrechtzuerhalten, waren dort ständig fast 8.000 Soldaten stationiert - etwa ein Zehntel der gesamten portugiesischen Armee.

Vom bescheidenen Gelübde zum goldenen Überfluss - Ursprünglich sollte nur ein kleiner Konvent für 13 Kapuzinermönche entstehen. Doch mit den zunehmenden Goldlieferungen aus Brasilien wuchsen auch die Ambitionen von König João V. entsprechend. Am Ende war der Komplex groß genug, um neben 330 Mönchen auch den gesamten königlichen Hofstaat zu beherbergen.

Der 220-Meter-Arbeitsweg - Der Grundriss des Palastes wird durch zwei Türme bestimmt: den Turm des Königs am Nordende und den Turm der Königin am Südende, die durch einen 220 Meter langen Korridor voneinander getrennt sind. Dieses Design war Absicht, um dem Königspaar ein Höchstmaß an Privatsphäre zu garantieren. Um ihnen den weiten Weg zum täglichen Gebet zu ersparen, erlaubte es ein zentraler Raum, die Messe in der Basilika zu verfolgen, ohne die eigenen Privatgemächer verlassen zu müssen.

Der Turm der Königin des Palastes

Der Turm der Königin des Palastes

Die kleinsten Bibliothekare der Welt - Die Rokoko-Bibliothek ist weltberühmt für ihre Schönheit, doch ihre nützlichsten Bewohner sind eine Kolonie kleiner Fledermäuse. Tagsüber schlafen die Tiere hinter den Bücherregalen, während sie nachts zur Jagd freigelassen werden. Da sie das Doppelte ihres Eigengewichts an Insekten fressen können, fungieren sie als natürliche Schädlingsbekämpfer und schützen die 36.000 ledergebundenen Bücher bereits seit über drei Jahrhunderten.

Die Zwillingsglockentürme - Als König João V. ein Glockenspiel aus Flandern bestellte, waren die Handwerker angeblich so schockiert über die Kosten, dass sie bezweifelten, ob Portugal sich das leisten könne. In seinem Stolz verletzt, soll der König geantwortet haben: “Mir war nicht klar, dass sie so billig sind. Ich hätte gerne zwei davon.” Heute besitzt Mafra daher zwei Glockentürme mit insgesamt 92 Glocken - eines der größten historischen Glockenspielsysteme der Welt.

Sechs Orgeln, ein gemeinsamer Klang - Die Basilika beherbergt sechs Pfeifenorgeln, die speziell dafür gestimmt wurden, zeitgleich gespielt zu werden. Bei königlichen Zeremonien sollte der Klang aller sechs Instrumente im marmornen Innenraum eine überwältigende und inspirierende Atmosphäre schaffen. Nach ihrer kürzlichen Restaurierung finden nun gelegentlich wieder Konzerte statt, bei denen alle sechs Orgeln gemeinsam erklingen.

Spirituelle Heilung in der Krankenstation - Die Krankenstation wurde so angelegt, dass jedes Bett direkt auf den Altar am Ende des Saals ausgerichtet war. So konnten kranke Mönche an der Messe teilnehmen, ohne aufstehen zu müssen.

Alle Betten in der Krankenstation sind auf den Altar ausgerichtet, damit die kranken Mönche die Messe vom Bett aus verfolgen konnten.

Alle Betten in der Krankenstation sind auf den Altar ausgerichtet, damit die kranken Mönche die Messe vom Bett aus verfolgen konnten.

Das Trophäenzimmer - Da der Palast auch als königliches Jagdschloss diente, gibt es ein spezielles Trophäenzimmer. Die Möbel in diesem Raum sind aus den Geweihen und Häuten von Hirschen gefertigt, die in den umliegenden königlichen Jagdgründen erlegt wurden.

Das Ende der Monarchie - Am 4. Oktober 1910 verbrachte König Manuel II. seine letzte Nacht in Portugal im Palácio de Mafra, bevor er über die Küste von Ericeira aus ins Exil floh. Damit ist der Palast untrennbar mit dem Ende der portugiesischen Monarchie verbunden.

Was gibt es in Mafra sonst noch zu entdecken?

Der Palast ist zweifellos die Hauptattraktion; in der Stadt selbst finden sich darüber hinaus nur wenige klassische Sehenswürdigkeiten.

Hinter dem Palast laden die Gärten des Jardim do Cerco mit ihren akkurat angelegten Beeten und schattigen Waldwegen zu einem entspannten Spaziergang ein. Hinter den Gärten schließt sich die Tapada Nacional de Mafra an - das einstige Jagdrevier des Königs ist heute ein Naturschutzgebiet mit Wanderwegen und einer reichen Tierwelt.

Das Stadtzentrum von Mafra ist angenehm entspannt und bietet eine gute Auswahl an Restaurants und Cafés. Es ist ein idealer Ort für ein Mittagessen vor oder nach der Palastbesichtigung.

Mafra hat ein charmantes und entspanntes Stadtzentrum

Mafra hat ein charmantes und entspanntes Stadtzentrum

Mafra, Óbidos oder Sintra als Tagesausflug?

Sintra ist das absolute Highlight für Tagesausflüge in der Region Lissabon und sollte bei Ihrem ersten Besuch ganz oben auf der Liste stehen. Óbidos wiederum ist ein bezauberndes, von Mauern umgebenes Städtchen, das kleiner ist und sich schneller erkunden lässt als Sintra.

Beide Orte können jedoch in den Sommermonaten durch den Ansturm von Reisebussen sehr überlaufen sein. Hier bieten Mafra und Ericeira eine ruhigere, aber nicht weniger attraktive Alternative, die von Lissabon aus ebenfalls leicht zu erreichen ist.

Unsere Empfehlung für die Reihenfolge Ihrer Tagesausflüge ab Lissabon: Sintra, Cascais, Óbidos, Mafra und schließlich Setúbal. Wenn Sie über einen Mietwagen verfügen, sollten Sie zudem Sesimbra und die Serra da Arrábida in Erwägung ziehen.
Verwandte Artikel: Sintra-Reiseführer - Óbidos-Reiseführer

Anreise von Lissabon nach Mafra

Lissabon ist durch eine regelmäßige und kostengünstige Busverbindung der Carris Metropolitana mit Mafra verbunden. Die Busse starten am Busbahnhof Campo Grande, den Sie bequem mit der grünen oder gelben Metrolinie erreichen.

Da der Bus in Ericeira endet, achten Sie bei der Abfahrt auf die Beschilderung “Ericeira” an der Fahrzeugfront. Die Fahrtzeit nach Mafra beträgt etwa 40 Minuten. Fahrkarten erhalten Sie direkt beim Fahrer; sie kosten 4,50 € für Erwachsene, 2,25 € für Kinder bzw. 9,00 € für die Hin- und Rückfahrt. Den aktuellen Fahrplan finden Sie auf der Website von Carris Metropolitana:
www.carrismetropolitana.pt/

Für Autofahrer steht südlich des Palastes ein großer, kostenfreier Parkplatz zur Verfügung.

Ein Bus der Carris Metropolitana am Busbahnhof Campo Grande in Lissabon

Ein Bus der Carris Metropolitana am Busbahnhof Campo Grande in Lissabon

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